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Düsseldorf,
Phillipshalle,
08.12.2005
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Als mich mein Kollege Jörg
Litges am Donnerstagnachmittag im Job
informierte, dass er krankheitsbedingt für die
Show passen musste, machte ich mich nach 10
Jahren mal wieder Richtung Düsseldorf auf.
Mein Gott, Metalharry und die Phillipshalle...
das war für mich in den 70er und 80er Jahren d
e r Konzerttempel im Rhein-Ruhr-Gebiet, neben
der Gruga- und Westfalenhalle.
Erinnerungen kommen hoch. Was habe ich dort für
Schlachten geschlagen: BLACK SABBATH mit Ozzy,
WHITESNAKE, NAZARETH, ZZ TOP, RAINBOW, AC/DC,
Ted Nugent, MEGADETH, STATUS QUO, KANSAS, BLUE
ÖYSTER CULT, WISHBONE ASH, Steve Hillage, THIN
LIZZY, Robin Trower und zuletzt Mitte der 90er
DREAM THEATER, um nur ein paar Highlights zu
nennen.
Nun also, lieber Onkel
Bill...
... vor fast 20 Jahren hatte ich schon mal das
Vergnügen in Köln, damals in seiner großen
Zeit. Ich war gespannt, wie der der mittlerweile
51-jährige Onkel mit seinem alten Sidekick, dem
Atomic Playboy Steve S. drauf ist.
Also flugs noch die Kritik seines neuen Outputs "Devils
Playground" von meinem Kollegen Fred
gecheckt und ab dafür. Gefallen hatte mir dort
seine Beschreibung "Hardrock mit
ausgestrecktem Mittelfinger". Dies traf
meine Erwartungshaltung ziemlich gut.
Nach fast 90 Minuten Anreise, das schon längst
vergessene Bild: Keine Parkplätze! Ergo 2 km Fußmarsch
und Punkt 8 Uhr an der Kasse. Ich höre schon
von draußen dumpfe Livemusik und denke noch
"Wow, die Vorband fängt aber pünktlich
an..."
Schnell noch im Foyer ein leckeres Pils
geschnappt und ab in die Halle. Aber, aber, was
sieht mein geblendetes Auge - Mann in Schwarz
und blond und Nikki Sixx in feinem Zwirn???
Verdammt, die Komiker haben ohne mich angefangen
- Frechheit!
Andererseits hat Mr.Idol nach einem Jahrzehnt Bühnenabstinenz
mit über 50 auch keine Zeit zu verlieren,
stimmt. Die anderen ca. 3.500 Anwesenden sehen
das wohl auch so, warum sich über eine zweit-
oder gar drittklassige Combo ärgern, und das
bei 55 Euro Eintritt.
ALLE WOLLEN BILLY IDOL
SEHEN - NOW!
Ich laufe mich mit den
Klassikern Dancing With Myself
(GENERATION X) und Flesh For Fantasy
warm. Die beiden Hauptakteure kommen gut rüber,
unterstützt von einer klasse Backing Band am
Bass und Schlagzeug, die gut Gas geben, plus der
Keyboardhure Derek Sherinian. Übrigens lustige
Anekdote für mich: Der Mann war wie ich auch
nach 10 Jahren wieder in der Phillipshalle.
Dieser Typ spielt wohl überall mit, wenn die
Kohle stimmt.
Es folgt der erste Song vom aktuellen Album, Body
Snatcher. Die Menge geht gut mit, vor allem
die vielen schmachtenden Girls zwischen 35 und
45, die als Kleingruppen oft vertreten sind. Ich
denke mal, CHIPPENDALES, Robbie Williams und
Billy Idol ist eine Linie, Ihr wisst was ich
meine, oder...
[Ja, aber in unserem Alter will man die Mädels
nicht mehr - oder noch nicht - in Kleingruppen.
Wir wollen sie in Rudeln! Red.]
Onkel Bill hat halt 'nen Schlag bei den Mädels,
das weiß er natürlich selbst am besten, also
Oberkörper freimachen und schwitzen.
Es folgt der erste Höhepunkt, White Wedding
(so früh???), alle gröhlen mit, yeah. Der
Sound ist druckvoll und klar, Billy ist gut bei
Stimme und der Body in Topshape. Respekt und Hut
ab. Anerkennendes Nicken der Umstehenden.
Wenn Billy-Boy zwischen
den Songs erzählt, klingt seine Stimme wie
Horst Schlaemmer – "Schätzelein, weiss
Bescheid..."! Ich lach mich schlapp - Horst
Schlaemmer!!!
"Düsseldorf, you
like to scream?". Aber klar, alle an Bord -
also die neue Single gezockt (kannte ich von
seinem Auftritt bei Raab), cooler Song. Dann
erstürmt die Band die Herzen der Fans mit Eyes
Without A Face, bevor die Acoustic Guitars
ausgepackt werden: Sweet Sixteen.
Der Groove geht ab bei To Be A Lover in
einer XL-Version, bis hierhin ist der Metalharry
zufrieden und hat sein Kommen nicht bereut. Doch
dann kippt die Superstimmung im Saal - es wird
ruhiger, ganz doll ruhig, ätzend langweilig für
alle Punker, Rocker und Metaller:
BALLADEN!!!!!!!!
Und endlich Orgelsolo,
hurra... dann Sherri vom neuen Album
(Sherri-, Sheri nian, spinn ich jetzt??). Dann
ein Song, Lousiana, den Opfern der
Hurrikan-Katastophe gewidmet, gefolgt von einem
spanischen Gitarrensolo von Steve.
Apropos Steve Stevens: der Nikki Sixx-Lookalike
ist an der Klampfe ein Riese, total von der
Szene unterschätzt. Meistens mit Fluppe im
Kopf, haut der Bursche ein tolles Lick nach dem
nächsten raus, hat bei den härteren Sachen
klar mehr Spaß in den Backen. Mein Mann!
Gott sei Dank ist dann wieder Hittime angesagt. Cradle
Of Love und 'ne coole Longversion von LA
Woman sowie Blue Highway lassen die
Stimmung wieder steigen und den Bierumsatz im
Foyer abflauen.
"Devils Playground" lässt wieder schön
grüssen: World Coming Down.
Mr. Idol springt schön durch seine Karriere,
jetzt wieder für die Altpunks von GENERATION X Ready
Steady Go und dann zum Abschluss der bis
jetzt 90 Minuten, sein Oberhammer... Ihr wisst
schon: "She Cries More, More,
More...". Darauf scheinen alle gewartet zu
haben, jeder im Publikum gibt alles...
Jetzt warten auf die Zugabe und ausschwitzen.
Ich hoffe auf meinen
Billy-Idol-Übersong Shock To The System,
werde aber enttäuscht, schade...
Hot In The City bringt die Band zurück
auf die Bühne, allerdings mit dem
Gitarrenroadie an der 2. Gitarre, allgemeines
Abtanzen beim weiblichen Publikum ist angesagt.
Ein Stimmungskiller folgt mit Kiss Me Deadly
von GENERATION X (laut Billys Aussage sein
Lieblingsstück seiner alten Combo), aber die
Punkszene von damals ist mittlerweile 45 und
aufwärts, bringt also nix.
Dann der Tiefpunkt für mich - ist ja bald
Weihnachten - oh, Schreck: Yelling At The
X-Mas Tree vom neuen Album, aber die Halle
hat noch keinen Bock auf X-mas, also noch mal
kurz weg zum Auftanken. Dann der Rausschmeißer,
Billys einziger No. 1 Hit in den Staaten: Moni
Moni.
Was bis jetzt keiner
wusste: Der Song wird das absolute Highlight des
Konzertes.
Es folgen 20 absolut geile Minuten für die
versammelte Musiker-Polizei. Da Düsseldorf den
Abschluss der 7 Gigs umfassenden Deutschlandtour
und der insgesamt 10-monatigen "Devil's
Playground Tour" bildet, hat man sich was
ganz Feines überlegt.
Der Song startet mit dem Drumtech am Schlagzeug
und Brian Tichy an der 2. Gitarre und steigert
sich zu einem fulminanten Südstaaten-Rocker in
der Klasse von Freebird, Green Grass
And High Tides, Fall Of The Peacemakers
oder Highway Song. Hammer! Als 3.
Gitarrist kommt irgendwann der Guitartech von
Steve dazu, Nr. 4 wird Derek Sherinian und
schliesslich Mr.Idol himself als Nr. 5. Die
Luzie geht ab, jawoll!
Aber nix da mit "5 Gitarren schrammeln um
die Wette", da sind echte Musiker am Werk,
das Duell von Steve Stevens und Brian Tichy (der
Mann ist Drummer!!!!) ist weltklasse (glaubt
mir, ich weiss wovon ich rede, ich hab sie alle
gesehen!).
[Du hast nie Franz Beckenbauer gesehen! Red.]
Wie gesagt, 20 Minuten dauert die Einlage, die
Band hinterlässt ein staunendes Publikum, nach
dem Motto "Was war das denn
jetzt??!!??".
Der Autor ist zufrieden
und verlässt die Halle mit einem breiten
Grinsen und dem Fazit, dass Alter nichts mit
Klasse zu tun hat.
Wie gesagt Hardrock mit ausgestrecktem
Mittelfinger.
"WEISS BESCHEID, SCHÄTZELEIN?"
Harald
Elbracht, (Artikelliste),
10.12.2005
http://www.home-of-rock.de/Konzertberichte/Billy_Idol/Duesseldorf_08_12_2005.html
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