|
Bands: BILLY
IDOL
Ort: Hamburg
- Stadtpark
Datum: 04.06.2005
Alte
Helden, das nächste Kapitel! Nachdem klar war,
dass BILLY IDOL zwischen den beiden Auftritten
beim Rock am Ring/ Rock im Park EINEN
Headlinergig in Deutschland durchziehen würde,
war der erste Juni-Samstag fest verplant, auch
wenn man dafür ins etwas weiter entfernte
Hamburg reisen musste. In den 80ern einer der
Heroen meiner Jugend, mit rotzigen Auftritten
und grandioser Musik im Gepäck, war es nach dem
gefloppten „Cyberpunk“ Album (1993) still um
den blondierten Bürgerschreck geworden.
Lediglich mit Drogenexzessen konnte der gute
Mann noch in den Boulevardblättern auftauchen,
umso erstaunlicher war seine famose Rückkehr
mit dem Comeback-Album „Devil’s
Playground“, welches allerorten abgefeiert
wurde. Nun war es an der Zeit auch livehaftig
den Beweis anzutreten, dass man keineswegs
bereits zum alten Eisen gehört, der 49 Lenze
zum Trotz.
Die Fahrt verlief mehr oder weniger reibungslos
und auch der Wettergott hatte ein Einsehen. War
es im Verlaufe des Tages noch mehr oder minder
wechselhaft, hielt der Himmel den Regenwolken
stand, womit schon mal ein positives
Ausrufezeichen gesetzt war. Für das nächste
Highlight sorgte die Location: Die Freilichtbühne
liegt wunderbar umzäumt von hohen Büschen auf
einem fast malerisch zu nennenden Gelände,
wobei das nach hinten ansteigende Terrain jedem
Besucher optimale Sicht auf das Geschehen ermöglichte.
Einer der wohl bekanntesten Anwesenden dürfte
H.P. Baxter (SCOOTER) gewesen sein, den wir
irgendwie schon erwartet hatten, siehe seine früheren
Coverversionen des amerikanischen Rebellen.
Insgesamt fanden sich 4000 Menschen im besten,
sprich meist mittleren Alter ein, die dem guten
Billy sicher schon länger die Treue halten.
Ergebnis: Ausverkauft, und ein würdiger Rahmen
für die erste Deutschland Einzelshow nach
vielen Jahren. Dabei befanden sich kaum
„szenige“ Leute im Auditorium, die
allermeisten waren einfach Menschen wie du und
ich in „normalen“ Klamotten.
Alle Zusammen sahen die Zeiger der Uhr auf 19 30
gleiten, als es mit dem Spektakel losging. 5
Musiker bildeten das Backbone für den Auftritt:
Neben Billy natürlich sein zweites Ich, Steve
Stevens an der Gitarre, dazu Drummer Brian Tichy
(Ex BLACK LABEL SOCIETY), Bassist Stephen
McGrath und der relativ berühmte Derek
Sherinian, immerhin einst bei den Prog Göttern
DREAM THEATER tätig! Da konnte also
instrumental schon nicht mehr viel schief gehen,
und auch was den Sänger betraf, wurde schnell
klar, dass er seiner Rolle gerecht wurde, körperlich
wie stimmlich. Mit „Super Overdrive“, dem
Opener der aktuellen CD, stieg man flott ins
Geschehen ein und setzte dann mit den Klassikern
„Dancing with myself“ sowie „Flesh for
Fantasy“ gleich 2 Sahnestückchen oben drauf.
Billy entblätterte sich jetzt schon bis zum
Unterhemd, und nur 2 Songs später stand er dann
auch schon oben ohne vor der jubelnden Crowd.
Das Cover der „DP“ hatte nicht gelogen, so
viel war schon mal sicher. Die Männer schauten
ungläubig auf den durchtrainierten Körper, während
es ein paar Frauen offensichtlich zu warm wurde,
eine hatte nachher nur noch einen violetten BH
am Körper. Ebenso wurde deutlich, dass dies
hier keine Nostalgie Show sein würde, wie bei
so manch anderem „wiederentdeckten“ Künstler.
Zwar wurden die älteren Sachen deutlich mehr
abgefeiert, aber auch die neuen Kompositionen führten
zu sehr ansprechenden Reaktionen. Der Mann rockt
immer noch, und seine Begleitmannschaft, allen
voran Steve Stevens, macht es ihm nach.
Unglaublich wie der Gitarrero sein Instrument
beherrscht, ein ausgedehntes Solo mit einer
Akustikgitarre offenbarte sein technisches Können,
während er von spanischen Klängen über
„House of the rising Sun“ bis hin zu SYSTEM
OF A DOWN-mässigen Akkorden die Fans ganz
alleine unterhielt. Derweil konnte der
Bandleader eine seiner relativ häufigen
Umziehaktionen starten, im Alter hat Billy
offensichtlich ein Faible für exquisite Mode
entdeckt. Noch amüsanter war es zu sehen, wie
er die Klamotten fein säuberlich zusammenlegte,
wenn er sich denn mal wieder entblößte. Dazu
gab er Unmengen von Autogrammen an die Menschen
in den ersten Reihen, signierte z.B. eine
„Whiplash Smile“-Hülle und schmiss auch
noch Autogrammkarten sowie Drumsticks noch und nöcher
in die Runde. Hier performte jemand, der einfach
nur Spaß auf der Bühne hat, was sich auf das
weite Rund übertrug.
Die Setlist enthielt etwa zu gleichen Teilen
altbekannte Hits wie das akustisch gespielte
„Sweet Sixteen“ oder natürlich den Übersong
„White Wedding“, zu dem man 1982 in
Deutschland ein Video abgedreht hatte, als auch
haufenweise neues Material. Dazu gab es ein
Rendez-Vous mit interessanten Coverversionen wie
etwa „Heartbrek Hotel“ von Elvis oder
„L.A. Woman“, im Original von den DOORS. Mit
„Ready Steady Go“ baute man auch ein Lied
aus der GENERATION X-Phase mit ein, wo Herr Idol
vor seiner Solokarriere musiziert hatte.
„Rebell Yell“ beendete nach 90 Minuten
standesgemäß den ersten Part des Konzerts.
Aber natürlich sollte noch nicht Schluss sein.
Während so langsam auch die Lightshow zu Ehren
kam, kehrten die Jungs mit dem uralten „Hot in
the City“ zurück, an diesem Abend mal kurz in
„Hot in Hamburg“ umgetauft. Darauf folgten 2
etwas kuriosere Tracks, die man eigentlich in
einer Zugabe nicht unbedingt erwarten konnte.
„Bleeding me insane“ ist ein Stück, welches
man mit Hilfe eines Access Codes auf der
„Devil’s Playground“ aus dem Netz saugen
kann, während es sich bei „Who are you“ um
einen THE WHO Klassiker handelt. Billy lobte
dann auch Pete Townsend als bekennenden Punk
Musik Fan. Bei diesem Track durfte sich Herr
Sherinian an seinen zwei gegenüber angebrachten
Keyboards so richtig austoben, der Mann spielte
natürlich fast alles live. Den krönenden
Abschluss bildete das rotzige „Mony Mony“, für
das man sich auch noch ein paar Schmankerl
einfallen ließ. Tichy griff sich eine Gitarre,
während ein Kollege auf dem Drumhocker Platz
nahm. Nachdem er sich mit dem omnipräsenten
Stevens (immer mit Kippe im Mundwinkel) ein
Gitarrenduell geliefert hatte, ergriff auch noch
Sherinian eine Klampfe. Da konnte auch Billy
nicht hintenanstehen, der zwischendurch hin und
wieder beim Trommeln assistierte. Mit immerhin
gleich 5 Mann (4 mal Gitarre, einmal Bass)
groovte man durch die letzten Takte des Liedes
und begab sich schließlich in Reih und Glied
direkt vors feiernde Volk, fürwahr eine
beeindruckende Choreographie.
Nach 2 Stunden war das Spektakel zu Ende und zu
netter elektronischer Musik strömten die
Besucher in die Dämmerung. BILLY IDOL kam, sah
und siegte auf ganzer Linie, und das alles auf
sehr sympathische/ fanfreundliche Art und Weise.
Eine Bekannte fand ihn (augenzwinkend) sogar
etwas zu nett. In dieser Form zeigen die Amis
noch einigen Jungspunden, wo der Punkrock Hammer
hängt und ich hoffe, der gute Billy kehrt schon
bald für einige weitere Shows nach Deutschland
zurück.
Setlist (ohne Gewähr):
Super Overdrive
Dancing with myself
Flesh for Fantasy
Body Snatcher
White Wedding
Scream
Eyes without a Face
Sweet Sixteen
Cherie
Heartbreak Hotel (ELVIS PRESLEY)
Gitarrensolo
Rat Race
L.A. Woman (THE DOORS)
Evil Eye
World comin’ down
Ready Steady Go (GENERATION X)
Rebel Yell
Hot in the City
Bleeding me insane
Who are you (THE WHO)
Drumsolo
Mony Mony
Copyright
Fotos: Jörg Rambow
TK
(04.06.2005)
http://www.musik.terrorverlag.de/musik/index.htm
|