
Weder Drogenprobleme, noch ein
Motorradunfall haben ihn umgebracht, der
Mann scheint mehr Leben zu haben, als eine
Katze! Nun ist Billy Idol,
zwölf Jahre nach seinem letzten
Studioalbum und mit mittlerweile 50 Jahren
auf seinem Buckel, zurück. Und wie! Devil’s
Playground strotzt nur so von
Energie und Kraft und wartet gar mit
einigen Überraschungen auf!
Super Overdrive eröffnet
sein neues Album auf eindrückliche Art
und Weise, die Gitarren rocken (endlich
wieder mit Steve Stevens),
das Schlagzeug hämmert und der Bass dröhnt,
dazu die kraftvolle Stimme vom Meister höchstpersönlich!
Teilweise erinnert der Song gar an Green
Day’s American Idiot, nur um
Welten dreckiger! In diesem Stil geht’s
auch gleich weiter, bis mit Rat
Race an dritter Stelle bereits
ein Höhepunkt der CD ansteht. Dank der
gelungenen Abwechslung von ruhigen und
rockigen Tönen ein brillanter Song. Der
Refrain ist unendlich eingängig, was
nebenbei erwähnt ohnehin der grosse
Pluspunkt von Devil’s Playground
ist. Auf jedem Stück gibt es
einen Refrain, der die Angewohnheit
entwickelt, den Kopf nicht mehr verlassen
zu wollen und zu einem ständigen
Begleiter wird!
Ein weiteres Highlight stellt Plastic
Jesus dar. Ein ruhiges Stück mit
ironischen Lyrics, die zum Nachdenken
anregen. Billy versteckt
darin Kritik an der Kirche und regt zum
Hinterfragen der schizophrenen Mentalität
an, Wasser zu predigen und Wein zu
trinken. Dank seiner auf dem
Armaturenbrett mitfahrenden Jesusfigur aus
Plastik braucht er sich absolut keine
Sorgen zu machen und muss nicht einmal auf
sie Rücksicht nehmen: Aufgrund ihres
Plastik-Ohres kann er ohne schlechtes
Gewissen vor der Figur fluchen: „Cos
Jesus’ plastico doesn’t hear. Cos’
he has a plastic ear. The man who invented
plastic saved my soul!” Umwerfend auch
die Vorstellung, wie er die hohle Figur
zum Transport von Alkohol missbraucht!
Der grösste Teil der Songs auf Devil’s
Playground vereint rockige
Melodien mit unschlagbaren Texten. Dank Steve
Stevens, der wieder ordentlich in
die Saiten langt und ein Solo nach dem
andern hinlegt, ist die Platte die reinste
Wohltat für die Ohren. Ein Hammersong
jagt den nächsten, kein einziger fällt
ab. Zudem ist die CD äusserst
abwechslungsreich: härtere Stücke
wechseln sich ab mit ruhigeren Melodien
und die zwei eingangs angetönten Überraschungen
lockern das Album erfolgreich auf: Yellin’
at the Christmas Tree ist ein
Weihnachtssong erster Klasse, der leider
etwas früh erschienen ist und dem es
dadurch nicht gelingt, den Hörer in Weihnächtliche
Stimmung zu versetzen, Lady do or
die wiederum ist ein
ausgezeichneter Country-Song, Billys
Stimme klingt rau und reif, der
jahrelange Drogenkonsum hat zumindest
seiner Stimme nicht geschadet.
Ein Comeback-Album das auch den hintersten
und letzten überzeugen dürfte. Das lange
Warten auf dieses Werk hat sich in
jeglicher Hinsicht gelohnt. Billy
Idol rockt sich dank grossartiger
Unterstützung von Steve Stevens trotz
bereits eindrücklichem Alter die Seele
aus dem Leib. Totgesagte leben offenbar
doch länger! |