KULTUR IN DÜSSELDORF
Billy Idol: Mehr als ein selbstverliebter
Rock-Dandy

Nur seine Stimme ist fülliger geworden: Billy
Idol sieht man seine 50 Jahre nicht an.
Billy Idol feierte in der Philipshalle den
Abschluss seiner Europa-Tour. Dabei ließ
der 50-Jährige mit seiner Show keine Wünsche
offen.
Düsseldorf. "I feel alright"
schallt es aus tausend Kehlen der Bühne
entgegen und zu wenigstens 99 Prozent dürfte
dies dem wahrhaften Status Quo des Publikums
am Donnerstagabend in der Philipshalle
entsprechen. Denn was Billy Idol zuvor in
knapp 120 Minuten an Show ablieferte, ließ
keine Wünsche offen.
Kaum zu glauben, dass der Mann, der da oben
mit freiem Oberkörper auf der Bühne steht,
am 30. November seinen 50. Geburtstag gefeiert
haben soll. Waschbrettbauch, volles Haar,
glatte Haut und das zum Markenzeichen
gewordene Lippenkräuseln - Billy Idol verkörpert
auch über 20 Jahre nach seinen größten
Triumphen das Bild des jugendlichen Rockstars.
Nur in einem Punkt ist er fülliger
geworden: Der Umfang seiner Stimme hat sich
erweitert. "I' m coming and hell is
coming with me" schreit Idol ins Mikro
und bald darauf ertönt mit "Super
Overdrive" der Song, der auch das
aktuellle Album "Devil' s
Playground" anführt.
Dass Idols Stimmvolumen zugenommen hat, merkt
man vor allem bei "Flesh for
fantasy", dem ersten Gassenhauer aus
seinem Hitalbum "Rebel Yell" aus dem
Jahre 1983, den er als dritten Song zum Besten
gibt. Sofort ist auch das Publikum zur Stelle,
singt lauthals mit.
Doch Idol geht im Vielklang der Stimmen
nicht unter und das, obwohl der Sound von der
Bühne keineswegs "normale"
Rocklautstärke erreicht. Nur ganz vorne ist
es richtig laut, weiter hinten nimmt der Druck
stark ab. Doch Idols Stimme ist immer noch da,
erreicht auch den letzten Gast im obersten
Winkel der prall gefüllten Philipshalle.
Und die bekommen im weiteren Verlauf des
Abends noch mehr Hits geboten: "White
Wedding", "Eyes without a
face", "Sweet Sixteen" oder
auch "Ready, Steady, Go" aus Idols
Zeit bei Generation X in den späten 70er
Jahren. Dazwischen gibt es mit "World
comin down", "Rat Race" und,
passend zur Jahreszeit "Yellin' at the
Xmas tree", weitere Songs vom neuen
Album.
Mit einer Adaption des Randy Newman
Klassikers "Louisiana" huldigt Idol
den Opfern der Flutkatastrophe und beweist,
dass er mehr ist als ein selbstverliebter
Dandy, der außer großem Posing nichts zu
bieten hat.
Mehr zu bieten hat auch der Gitarrist an
seiner Seite. Mit Steve Stevens ist sein
Mitstreiter aus ehemaligen Glanzzeiten wieder
zu ihm zurückgekehrt, was dem musikalischen
Teil der Show das Sahnehäubchen verleiht. In
einer mehr als 15-minütigen Soloeinlage zeigt
Stevens sein vielseitiges Können und glänzt
mit ungeahnten Oktavsprüngen ebenso wie mit
genialen Tricks. Hier wird nicht nur eine große
Show geboten sondern auch Genialität
zelebriert.
Düsseldorf bedeutet das Ende einer langen
Europa-Tour und man merkt Idol an, dass sie
ihm viel Freude bereitet haben muss. Er wirft
signierte Pappteller ins Publikum, flirtet mit
den weiblichen Gästen, verteilt Drumsticks
und springt auf der Bühne herum. Schließlich
fordert er das Publikum auf, zusammen mit ihm
den Abschluss der Konzertreise zu feiern. Doch
erst nach weiteren vier Songs hat Idol endgültig
die Tour hinter sich gebracht.
10.12.05
Von Ralph Buchbender