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Eingefleischten 'Formel
Eins'-Wiederholungs-Zuschauern und anderen
Nostalgikern dürfte die Meldung von Billy
Idols Comeback-Album schon etliche
schlaflose Nächte unter den quälenden
Fragen 'Wird es denn gut?' oder 'Wird dann
alles wie früher?' beschert haben.
Zumindest erstere kann ich hier mit einem
definitiven 'Ja!' beantworten, denn
'Devil's Playground' ist eine
hervorragende Platte, mit all den Zutaten,
die (nicht nur) ein gutes Billy Idol-Album
braucht. Treibende Rocker, stimmige
Balladen, Power-Pop, klassischer Genremix
- macht heutzutage kaum einer mehr in der
Form, und dem revitalisierten, immer noch
erstaunlich aufgekratzten Billy auch so
schnell keiner nach.
Dabei erweist sich die Kombination aus
alten Mitstreitern wie Gitarrist Steve
Stevens und Ur-Produzent Keith Forsey und
jungem Bandblut als äußerst fruchtbar.
Der alte Rebell tappt jedenfalls somit
nicht in die, wie noch im Adam Sandler
Film 'Wedding Singer' beschriebene,
Achtziger-Retro-Falle und klingt auf
seinem neuen Werk so zeitgemäß, wie
seine Art von Musik eben sein kann. Damit
wäre dann auch ansatzweise die Antwort
auf obige zweite Frage gegeben. Deshalb
ist es spätestens jetzt an der Zeit, die
verlorenen Jahre der medialen Abstinenz
mal mit Inhalten zu füllen. "Ich
habe die Hälfte der Neunzigerjahre dafür
gebraucht, zu kapieren, dass ich mich
selbst total blockiere", so
Billys Eingeständnis. "Mir war
gar nicht bewusst, dass ich in ein Abhängigkeitsverhältnis
von Alkohol, Drogen und Sexsucht gefallen
war. Ich habe einfach nicht mehr
mitgekriegt, dass ich das alles soweit übertrieben
habe, so als gäbe es kein Morgen."
Neben normalisierenden entzieherischen
sowie erzieherischen Pflichten für seinen
Sohn, den Billy zeitweilig wöchentlich
betreute, dürfte unter anderem auch die Rückkehr
geradliniger Rock-Musik zu
selbstinitiierten
Wiederbelebungsstrategien geführt haben. "Ich
höre viel Radio und es gibt wieder Sachen
wie Audioslave, wo ich mir denke: Oh, das
ist eine richtige Band, sie versuchen
nicht mehr Rap zu machen, sondern da singt
einer; also ist Gesang nicht wirklich
komplett tot. Oder Velvet Revolver, die
sich auch selbst reanimiert haben. Da
denke ich dann auch ach, wenn die das können,
dann kann ich das vielleicht auch..."
Zugegeben, das musikalische Klima ist
denkbar günstig, auch wenn Billy seiner
damaligen MTV-Generation mittlerweile längst
entwachsen sein mag. Für den musikalisch
immer noch mit jugendlicher Begeisterung
interessierten und aktiven Billy, der übrigens
im Reggae und Dub sein musikalisches
Refugium vom eigenen Rock und Punk findet,
ist es jedenfalls schön mit anzusehen,
wie sein Sprössling sein Erbe verwaltet. "Mein
Sohn spielt Gitarre und singt in einem
Trio, sie nennen sich Lucas. Ich habe sie
mal im Roxy spielen gesehen und es war
richtig gut - aber überhaupt nicht Billy
Idol. Die haben eine Laptop auf der Bühne.
Es ist cool für ihn, weil er sein eigenes
Ding macht und das ist immer das
Wichtigste an Musik - sein eigenes Gefühl
und seinen eigenen Stil zu haben.
Imitation ist die beste Form der
Schmeichelei, aber Innovation ist die
beste Form der Kritik. Wenn er mir
gefallen wollte, wäre er nur eine
schwache Ausgabe von mir. Aber wenn er
mich kritisieren will, dann zeigt er mir
hiermit, wie man es eigentlich machen
sollte!" Ein Ausspruch, den Billy mit
einem dröhnend-grölenden Lachen
quittiert. Gerade so, als wisse er nur zu
gut, dass der Name und die Marke Billy
Idol auch im Jahre 2005 einzigartig sind
und weiterhin unbefleckt bleiben.
Text: Frank Thießies
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