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Schwarzes Leder, blonde Bürsten und Billy
Idol
Punk
"Start agaaiinn!!!" Gut gelaunt röhrt
Billy Idol sich warm und tausende mit ihm. Seine
Faust gen Himmel und alle tun es ihm gleich. Der
lustigste Punk aus den Achtzigern ist wieder da,
hat Lust auf Bühne und das wirkt ansteckend. Er
hat immer noch dieses teuflische Lächeln mit
der berühmten Lippe, die immer gen Himmel fährt,
das vor 20 Jahren Heerscharen von Frauen schwach
machte. Die sind heute wieder da und haben ihre
Töchter mitgebracht, damit die mal sehen, was
früher so ging. Die Mamis haben sich fein
gemacht - wie damals! Viel schwarzes Leder,
platinblonde Bürsten, angegraute Flat Tops,
jede Menge Müntefehringfrisuren bei den Papis
und natürlich einige Irokesen. Es ist ein
Familienpicknick in der Zitadelle Spandau,
Handys und Digicams halten die rumspringenden
Eltern fest, die, das versteht sich selbst,
jeden Song mitsingen können.
Und Billy zeigt, wie man in Würde altert: Er
nimmt sich selbst nicht allzu Ernst und
verspricht allen jede Menge Fun heute Abend.
Allerdings macht er optisch enorm was her. Sein
Gesicht läßt zwar die Exesse erahnen. Aber mit
Schwarzenegger-Armen und einem Waschbrettbauch
übererfüllt er in seinem Alter (deutlich über
den offiziellen 51) noch jeden Hollywoodstandard.
Beim obligatorischen T-Shirt-Abwurf wird
geschrieen und alle Kameras knipsen ihn. Billy
freut sich mit seinen Fans.
Und die gibt es! Punkig ist er immer noch,
der typische Billy-Idol-Fan aber mit anderer
Attitüde. Würde es nicht widersprüchlich
klingen, aggressionsloser Punk wäre treffend.
Die Punks sind auch anders: Punkerinnen haben
bei der Temperatur meist einen Seidenfächer,
Punks zücken zwischen den Songs Deoroller.
Direkt neben mir ein Tätowierter sogar das
noble Baldessarini-Parfum. Auf der Bühne die
Tracht von damals - dazu erstklassiges
Entertainment. Die muskelbepackte Band, die an
die Tijuana-Finsterlinge aus einem Tarantino-Horrorfilm
erinnert, spielt gigantisch: Sie punken, rocken,
surfen oder machen Lagerfeuercountry, wenn Billy
will. Und ihm ist öfter danach, denn sein
Comeback wurde eingeleitet durch eine
amerikanische Unplugged-TV-Show. Und so wird aus
Rockabilly Punkabilly, und alle schmunzeln auf
der Bühne und auch davor. Die lässige Show
macht einfach nur Spaß und wahrscheinlich ist
es nicht mehr lange hin, bis es so etwas wie
Las-Vegas-Punk gibt.
Cherno Jobatey
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