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Billy Idol ist wieder
da. Mit blondiertem Haar, dicker Lippe,
abgefuckter Lederjacke, Iggy-Pop-Body, und auch
sonst genauso cool, wie er es auf dem Coverbild
von "Devil's Playground" glauben
machen will. Kein Mensch darf diesen 49-Jährigen
einen "Altrocker" schimpfen, denn
Billy Idol klingt wieder so, als wäre er gerade
im Karrierefrühling.
Auch wenn ein Kaiser mit den Niederungen der
Rockmusik wenig am Hut hat, ist hier definitiv
eines seiner größten Zitate fällig, geht
nicht anders: "Ja, Ist denn heut' schon
Weihnachten?!"
Warum das sein muss: Da singt einer, ein paar
Wochen vor Ostern, allen Ernstes "Yellin'
At The Christmas Tree", dazu gibt's Glöckchen,
die so feierlich bimmeln, als wäre gleich
Bescherung. Und dieser eine ist kein Geringerer
als der mindestens in der Versenkung, von einem
US-Journalisten auch schon tot geglaubte
Godfather of Glam-Punk (Ha, genauso paradox
waren sie, die 80-er!), Billy Idol. Und dieser
Song wiederum strotzt genau wie das ganze
Comeback-Album "Devil's Playground"
vor Schweinerock-Energie und Oldschool-Attitüde,
dass es eine helle Freude ist.
Mit "Super Overdrive" rumpelt Billy
los wie die Feuerwehr in Turbonegro-Land, nimmt
gleich danach mit "World Comin' Down"
noch mehr Speed auf, und erreicht mit
"Sherry" schließlich einen ersten
hymnischen Höhepunkt, den ihm kein Mensch mehr
zugetraut hat. Das alles klingt nach Sex
Pistols, Sisters und Ramones, nach
Sicherheitsnadeln, Tattoos und Nietengürteln,
und vor allem nach ziemlich viel "Flesh For
Fantasy". Vedammt sexy, das. Die
eigentliche Überraschung sind aber die
staubigen, fast schon countryesken Balladen, wie
"Plastic Jesus", "Lady Do Or
Die" oder "Summer Running", in
denen der Rebell der 80-er erstaunlich reif und
weise klingt. Er singt selbstreflektierend und
selbstironisch von Motorradfahrten durch die
High Desert und natürlich von Frauen. Kurz: von
einem Leben, zu dem Zitate wie dieses (aus einem
aktuellen "SZ"-Interview) passen, wie
die Faust aufs Auge: "So waren sie nun mal,
die 80er-Jahre. Total gaga. Wir liefen alle
herum wie die Vampire und haben gar nicht
bemerkt, dass wir uns selber aussaugen." Er
hat sie Gott sei Dank überlebt, diese harten
Jahre. Und wenn er so weiter macht, wie auf
"Devil's Playground", wer weiß, dann
wird dieser durchgeknallte Engländer, der sich
seit den frühen 80-ern erst in New York und
danach in L.A. durchsoff, noch das, was Iggy so
gerne sein würde: nämlich so eine Art Johnny
Cash der Punkbewegung.
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