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Part
1 Teaming up with Billy Idol again, solo
records, flamenco guitar playing
BLACK
HAIR HASARDEUR
Gitarrenhelden
sind rar geworden! Schon die Synthie-Pop-Welle
Mitte/Ende der 80er rüttelte mächtig am Thron
der Sechssaiten-Artisten, die spröden Schrammel-Sounds
des Grunge gaben der Szene Anfang der Neunziger
den Rest. Einige der Heroen haben dennoch überlebt:
Satriani, Eddie Van Halen, Steve Vai. Und auch
der ehemalige Billy-Idol-Gitarrist Steve Stevens
ist noch immer einer, der dem Genre neue Impulse
gibt. Jetzt meldet er sich mit der Supergroup
„Black Light Syndrome" zurück und plant
obendrein noch ein Flamenco-Projekt!
Lange
hat man von Steve Stevens nichts mehr gehört.
Der einstige Gitarrist von Billy Idol, der 1983
mit dem Multiplatin-Album ,Rebel Yell‘ quasi
über Nacht zum Superstar avancierte, gehörte
Ende der 80er zu den angesehensten und
begehrtesten Musikern der Rock-Szene. Die
Fachwelt lobte damals sein spektakuläres Spiel,
das aus überraschenden Oktavsprüngen,
atemberaubenden Tricks mit dem Jammerhaken,
harten Power-Chords und weichen Singlenotes,
spektakulären Solo-Ausflügen bis hin zum
legendären Maschinengewehr-Sound in ,Rebel
Yell‘ (das in ähnlicher Machart übrigens
1993 in ,Look In Her Eyes‘ auf dem
Vince-Neil-Solo-Album ,Exposed‘ wieder
auftauchte) bestand. Noch während seiner Zeit
bei Billy Idol erhielt er die Einladung, für
Michael Jackson auf dessen Song ,Dirty Diana‘
zu spielen, im Anschluß daran arbeitete er
vornehmlich als Studiomusiker an Soundtracks, u.
a. für ,Ace Ventura‘, ,Speed‘ und auch ,Top
Gun‘ (für den er im Februar 1987 sogar einen
Grammy bekam). Mitte der 90er wurde es dann
ziemlich still um den schwarzgelockten
Amerikaner.
Jetzt
plötzlich taucht der mittlerweile 38jährige in
einer hochkarätig besetzten Supergroup mit
Ex-Zappa- bzw. Jeff-Beck-Drummer Terry Bozzio
und Bassist Tony Levin (u. a. bekannt von Peter
Gabriel, King Crimson, Paul Simon, Lou Reed,
etc.) wieder auf. Gemäß den Initialen ihrer
Nachnamen nennt sich dieses Trio Black Light
Syndrome (BLS = Bozzio, Levin, Stevens) und
zelebriert auf seinem gleichnamigen Debüt-Album
abwechslungsreichen Hardrock, Fusion, Flamenco,
Blues und progressive Stilelemente par
excellence. Dabei zeichnet sich besonders Steve
Stevens mit für ihn bis dato eher ungewöhnlichen
Spielweisen aus. Außerdem – so verriet er in
dem nun folgenden Interview – plane er für
die nächste Zukunft die Veröffentlichung eines
Soloalbums, auf dem er Flamenco-Gitarre spielt.
Übrigens: Von seinen Intermezzi als Rock-Solist
(,Atomic Playboy‘, 1989) und kurzzeitiger
Sideman von Ex-Mötley-Crüe-Blondchen Vince
Neil auf ,Exposed‘, wollte Steve Stevens
dagegen am liebsten nichts mehr hören. Aus ganz
unterschiedlichen Ursachen, wie man nachlesen
kann.
G&B:
Steve,
wie kam es zu dieser spektakulären
Zusammenarbeit mit Terry Bozzio und Tony Levin?
Steve:
Terry
plante schon seit einiger Zeit ein solches
Projekt. Er und sein Manager hatten einen Plan
entworfen, nach welchen Musikern sie dazu
Ausschau halten wollten. Sie setzten mich,
zusammen mit einigen anderen Gitarristen, auf
eine lange Liste und überlegten, welcher von
denen wohl am geeignetsten sei. Terry meinte
schließlich: „Steve Stevens ist der wohl
ungewöhnlichste Musiker auf dieser Liste. Den
werden wir mal anrufen." Also klingelte
irgendwann bei mir das Telephon und Terry fragte:
„Können wir uns demnächst mal in Los Angeles
treffen? Ich komme demnächst nach L.A., um eine
One Man Drums Show zu geben, und wir könnten
uns danach ja treffen." Ich sagte: „Ja
klar, laß es uns so machen!" Also trafen
wir uns am Tag nach der Show.
G&B:
Habt
ihr drei schon mal zusammen auf der Bühne
gestanden?
Steve:
Nein,
noch nie. Wir haben fünf Tage zusammen im
Studio verbracht, bis die Platte fertig war. Und
das war’s dann. Am sechsten Tag bereits war
Tony schon wieder verschwunden.
G&B:
Laß
uns zunächst über deine musikalischen Anfänge
sprechen. Wie alt warst du, als du deine erste
Gitarre bekamst?
Steve:
Ich
war noch jung, sehr jung sogar, als ich anfing,
Gitarre zu spielen. Mein Vater war es, der das
erste Instrument mit nach Hause brachte. Ich war
damals gerade erst 6 ½ Jahre alt. Ich fing also
an, mich mit diesem Ding zu beschäftigen.
Spielen kann man das wohl noch nicht nennen, was
ich auf der Gitarre veranstaltet. Es war mehr
ein unkoordiniertes darauf Herumschlagen, hahaha!
Außerdem legte ich mir zu Anfang eine eigene
Stimmung zurecht, mit der ich dann spielte.
Eines Tages kam ein Bekannter meines Vaters
vorbei und stimmte die Gitarre richtig. Mann,
war ich sauer, denn zuerst konnte ich gar nichts
mehr damit anfangen, doch mit der Zeit wurde es
zum Glück immer besser.
Ich
hatte einen älteren Bruder, der sehr viel Musik
hörte. Das erste, was mich faszinierte und was
ich damals nachzuspielen versuchte, waren die
Rolling Stones und die Beatles. Irgendwann
kriegte ich dieses verdammte Ding auch tatsächlich
in den Griff. Sämtliche Musiker in meiner
Nachbarschaft machten damals Folk, und so machte
auch ich meine ersten Erfahrungen mit der Musik
von Leuten wie James Taylor, Joni Mitchell oder
Simon & Garfunkel. Ich lernte richtiggehend
Folk Music zu spielen. Einige Häuser weiter
wohnte Phil Ochs, seine Schwester war meine
erste Gitarrenlehrerin. Sie zeigte mir sehr
viele Sachen von Arlo Guthrie, Woody Guthrie,
traditionelle Folk-Songs also. Mit dreizehn
bekam ich meine erste elektrische Gitarre.
Irgend so ein japanisches Ding. Im Grunde
genommen klang sie schrecklich, aber sie sah
echt cool aus. Mit dieser Gitarre kam ich in
Kontakt zu anderer Musik. Led Zeppelin waren
damals gerade in aller Munde, und auch ich
mochte sie. Dann hörte ich im Radio einen Typen,
der mich unheimlich faszinierte, denn er machte
die unglaublichsten Sachen auf der Gitarre. Sein
Name war Steve Howe, er war der Gitarrist von
Yes. Und er brachte mich auf eine Reise zu den
Progressive Rock Bands der frühen 70er Jahre,
zu Leuten wie z. B. Robert Fripp, Steve Hackett,
Keith Emerson. Sie waren einfach die perfekten
Vorbilder, um sich auf der Gitarre zu
orientieren.
G&B:
Und
wann hast du deine erste Band gegründet?
Steve:
Ich
war ja eigentlich noch zu jung, um eine eigene
Band zu gründen. Ich spielte einfach mit
anderen Musikern, machte in Cover-Bands mit, usw.
Irgendwann stieß ich zu einer Band, die jeden
Abend drei Sets spielte, und zwar gleich fünfmal
die Woche. Das war natürlich eine großartige
Erfahrung für mich. Hier erlebte ich meine
eigentliche Ausbildung zum Musiker. Wir spielten
jeden Abend eine ganze Menge bekannter Songs
nach. Allerdings nicht nur dieses typische Zeugs,
sondern auch echt anspruchsvolle Stücke. Natürlich
spielten wir auch Led Zeppelin, aber daneben
ebenso Songs von Bands wie Tony Williams
Lifetime. Wir hatten auch ein einstündiges
Medley aus Yes-Stücken, z. B. von ,Tales Of
Topographic Oceans‘, und wir spielten Sachen
von Gentle Giant. Ich glaube, den Leuten hat es
gut gefallen, aber wir waren schon echt verrückte
Typen.
G&B:
Dann
wurdest du mit Billy Idol bekannt gemacht!
Steve:
Ja,
genau. Ich spielte in einer Band, die für
Island Records ein Album aufnahm (der Name der
Band war „Fine Malibus"; d. Verf.). Wir
wurden auf die Bahamas geschickt, um dort die
Platte einzuspielen. Es war übrigens meine
allererste Erfahrung mit einem Tonstudio. Der
Produzent hieß Jimmy Miller (u. a. Rolling
Stones, The Plasmatics; d. Verf.). Wir machten
eine Art... ähm, ...Punkrock (lacht) – ja ich
glaube, so könnte man es am ehesten nennen. Auf
jeden Fall war’s eine ziemlich wilde Mischung.
Die Platte wurde allerdings niemals veröffentlicht.
Ich kehrte also nach New York zurück und
schaute mich nach Arbeit um. Deswegen
kontaktierte ich u. a. auch Bill Aucoin, den
Manager von Kiss, und spielte ihm das Album vor.
Ihm gefiel zwar die Platte nicht sonderlich,
aber er mochte das, was ich darauf spielte. Also
schlug er mir vor, diese Band zu verlassen und
mich anderweitig durchzuschlagen. Er versuchte,
für mich eine neue Formation zusammenzustellen.
Wir suchten einen Sänger und einige passende
Musiker. Das alles zog sich über etwa zwei
Monate hin, bis irgendwann Aucoin meinte: „Hör
zu Junge, wir holen gerade Billy Idol, den Sänger
von Generation X, aus England hier herüber. Das
könnte doch etwas für dich sein." Also
traf ich mich mit Billy. Ehrlich gesagt: Das
erste Treffen haute mich nicht gerade um. Das
kannst du dir sicher bildlich vorstellen: Ich saß
da, mit langen schwarzen Haaren bis runter zum
Arsch, und mir gegenüber Mr. Punkrock höchstpersönlich,
mit kurzem, hochstehendem blondem Putz. Ich
liebte einen Haufen genau jener Musik, den die
Punkrocker abgrundtief haßten. Doch irgendwie
fingen wir trotzdem an, ein paar Mal in seinem
Appartement zu jammen. Billy bemerkte, daß ich
einige Songs von Lou Reed spielen konnte. Also
genau das Zeugs, was ich immer in den
Cover-Bands gespielt hatte, zum Beispiel ,Coney
Island Baby‘ und so weiter. Billy war völlig
von den Socken. Er meinte: „Was, du kennst
,Coney Island Baby‘ und kannst es auch noch
original spielen?" Ich sagte: ,Ja klar,
Mann! Ich bin von New York, da spielt man Lou
Reed Musik." Das ließ das Eis zwischen uns
schmelzen. Ich bot ihm an, daß ich dabei wäre,
wenn er eine Band zusammenstellt ...
Story:
Matthias Mineur
Fotos: S. Neumeier, Magna Carta, L.J. Eifel,
Sabian, Ariola, WEIA
Das
vollständige Interview (plus Transkriptionen
klassischer Steve-Stevens-Licks!) kann man in
Gitarre & Bass 05/98 nachlesen. Ab Freitag,
den 17. April im Handel!
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